hat die Ausstellung ‚Die Zukunft ist das neue Ding‘ zusammen mit Nora Mona Bach organisiert und kuratiert.

Anlässlich der Ausstellung ‚Die Zukunft ist das neue Ding‘ baten wir, Nora Mona Bach und Sebastian Gerstengarbe, die teilnehmenden Künstler*innen um Partizipation an den Inhalten dieser Internetseite, anstelle eines gedruckten Kataloges: Um die drögen Vitabeiträge und Ausstellungslisten, die wir alle auf unseren Seiten haben nicht nochmal herzuzeigen, haben wir uns einen Fragebogen überlegt, den jede*r so ernst oder verspielt und so vollständig, wie sie*er wollte, ausgefüllt hat.






Was ist das neue Ding? 
Da sich darauf immer eine Gruppe einigt,und ich der – wegen der hässlichen Gruppendynamik – nicht traue, würde ich schreiben „der kleinste gemeinsame Nenner“. 
Da es sich so aber nicht leben lässt, sage ich „Freundlichkeit ist das neue Ding.“ 
Hippiemäßig? Deine Mutter!!!

Freundlichkeit eben.


Adresse deiner Website? 
sebastiangerstengarbe.com

Was machst Du? 
Zeichnen, malen, schreiben, lehren, ein bisschen kuratieren, sehr gern Musik hören und jeden Monat aus Wort und Bild einen Titel für das Puschkino-Programm zusammenhauen.

Woher kommt das? 
Als Kind und Jugendlicher und junger Erwachsener sehr dünn, unsportlich und extrem schüchtern gewesen. Sehr dünn bin ich nicht mehr. Aber der Rest kommt immer mal wieder hoch.

Wie lange brauchst du dafür? 
Immer viel zu lange.

Wen willst du beeindrucken? 
Im ersten Schuljahr war im Hort dieses Mädchen mit den dicken Brillengläsern aus dem problematischen Haushalt schwer beeindruckt von meinen gezeichneten Dackeln mit Mickey-Mouse-Augen.  
Das Gefühl hätte ich gern immer wieder.


Wer beeindruckt dich? 
David Byrne. Randy Newman. Will Oldham. Giorgio Morandi, Jim White. Townes Van Zandt, David Longstreth. John Callahan. John Prine. Harry Dean Stanton.
Allesamt keine Superstars – siehe oben, die Sache mit der Gruppendynamik.
Dass das fast alles Amerikaner sind, hat vielleicht damit zu tun,dass meine beiden Großväter NSDAP-Mitglieder warenund alles Deutsche mich nicht nur nicht so sehr beeindruckt, sondern eher unangenehm berührt.

Kannst du von deiner Kunst leben?
2% von denen, die Kunst studieren, können später davon leben. Bei 98% drückt sich deren Kunstausübung nicht – oder nur selten – in Geld aus.
Nebentätigkeiten gehören also auch bei mir zum Beruf: Kellner, Tankwart, Verkäufer, Telefonist, Bauhelfer, Komparse, Korrekturleser, Programmgestalter, Nachhilfelehrer, Dozent, Filmvorführer, künstlerischer Mitarbeiter, Redner, Dozent, Kurator.


Welche Art Kunst wäre dir peinlich? 
Die hohle Geste oder die streberhafte Perfektion. Ob dazwischen überhaupt irgendwas ist? Da wünschte ich mir meinen Platz.

Sammelst du Kunst? 
Nein.

Was sammelst Du sonst? 
Schallplatten und Bücher, davon habe ich gern viel um mich, aber ich bin kein Sammler, denn ich benutze sie und behandle sie nicht pfleglich.

Wie sieht es in Deinem Atelier aus?
Viele Schallplatten.

Was siehst Du vom Atelier aus?
Autoschrauber und südvietnamesische evangelische Christen und Elstern in der Ausübung ihrer jeweiligen Berufung.

Atelier frühmorgens, tagsüber oder nachts? 
So ab Mittag.

Beeindruckender Moment im Atelier?
Enorm selten; wenn mir plötzlich auffällt: „Das ist jetzt bald fertig.“ Vielleicht zweimal im Jahr.

Schlimmster Moment im Atelier? 
Immer wenn ich mich nicht konzentrieren kann, das hängt mit den unvermeidlichen Nebenjobs zusammen. Der Atelierschlaf ist der gesündeste, aber das schlechte Gewissen sollte mir dann eigentlich den Nachtschlaf rauben.

Was, wenn nicht Künstler? 
Das ist weit weg von meiner im Alltag etablierten öffentlichen Oberfläche, irgendwas in mir wäre gern Sänger geworden. Jetzt mache ich eben, was noch übrig bleibt.

Wer ist Thomas Rug? 
Ein toller Zeichner und ein geduldiger Ermutiger. Ein Gesprächspartner mit der erstaunlichsten Bildung und einem beglückenden Humor. Man kann auf hohem und niederem Niveau mit ihm blödeln. Ein Freund.

DAS Bildungserlebnis während des Studiums? 
Ich hatte ziemlich unbeobachtet ein Künstlerbuch gemacht, das habe ich, als es fast fertig war, Thomas Rug gezeigt, an einer Stelle steht: „Ich bin jetzt ein Maik“ (instagram: sebastiangerstengarbedetails) und er hat gesagt: „Das ist scharf.“ Das hat mir Schwung für einige Jahre gegeben.

Vorbild früher / heute / immer? 
Früher: Francis Bacon / Heute: die Frau, die im Backshop die Brötchen finished. Immer: Van Gogh 

Entmutigendes Erlebnis während des Studiums? 
Mittendrin wurde ich zum Zivildienst eingezogen. Vor dem Ende des 2.Semesters. „Kann ich trotzdem meinen Schein kriegen?“ „Den Schein gebe ich Ihnen. Aber ich muss Ihnen sagen, Sie haben von beidem nicht viel: Sie haben kein Talent und auch keinen Willen.“ HfbK Dresden

Welche Kunstform, wenn nicht deine?
Musik. Geringfügig realistischer: Literatur.

Eine Legende von unter dem Kirschbaum? 
Da sitzt es sich einfach gut und man hat den Eindruck, die ganze Welt ist anwesend. Stimmt natürlich nicht. Ist nur eine Legende. Die ganze Welt ist im Backshop.

Vorzüglicher Moment in den Werkstätten? 
Im dunklen Fotolabor Radio hören und dem Foto/Fotogramm/cliché-verre dabei zusehen, wie es wird.

Politik und Kunst?
Ist immer nötig. Zentrum für politische Schönheit ist momentan ein Beispiel.

Religion und Kunst?
Ohne mich.

Rausch und Kunst? 
Funktioniert für mich überhaupt nicht, aber Fragebögen ausfüllen geht. Q§$X-ß?=6%&“mdgr9egsncjujhsb))//!

Provinz oder Metropole? 
Die Lebensumstände legen mir Halle nahe.

Analog oder digital? 
Vinyl. Der warme Klang und dann haben die angenehm großen Plattenhüllen genug Platz für Bilder mit Wumms oder die schöne Verweigerung von Wumms.

Gegenstand?
Plattenspieler

Witz?
Kann ich mir nie merken.

Theaterstück?
„Guten Tag, mein Name ist Umberto und ich bin hier um mit ihrer Tochter zu schlafen.““Um was?!“ (beleidigt:) „Umberto.“

Getränk?
Hahaha! Umm…pfffhhhhhhh.
Sag ich nicht!

Roman?
„Holzfällen“ Thomas Bernhard

Jahreszeit? 
Früher nur die guten Sommertage, deshalb bin ich zum ERASMUS-Stipendium nach Granada gegangen, draußen zeichnen im Winter, jetzt ist mir das Wetter egal. Wenn die Zeit knapper wird, freut man sich schon an der Zeit.

Film?
Viel Kaurismäki. 

Mahlzeit?
Nicht zu früh. Danach kann es losgehen.

Buch?
Als ich in Dresden studiert habe, war dort eine Morandiausstellung. Der Katalog.

Lied?
Wirklich viele, hier ist eines, das zugleich melancholisch und lustig ist. Es handelt von der Liebe und vom Tod.
Man fragt sich ja doch hin und wieder, ob es immer und immer Susannes und Ralfs geben wird. Und ob die dann auch immer alte Fotos ansehen und sich fragen: „Was, wenn ich gewesen sein werde …?“ Ja, das ist nur auf englisch gut. Musikalisch finde ich das auch supercool, mit den lang gehaltenen Noten, die die Zeit ausmessen, und wie lässig dann der Rest der Zeile abgefrühstückt wird.
„Was“ von Mose Allison 
When I become was and we become were
Will there be any sign or a trace of th‘ lovely contour of your face
And will there be someone around
With essentially my kinda soundWhen am turns to was and now is back when
Will someone have moments like this
Moments of unspoken bliss
And will there be heroes and saints
Or just a dark new age of complaintsWhen I become was and we become were
Will there be any Susans and Ralphs
Lookin‘ at old photographs
And wondering aloud to a friendWebsite? 
https://www.npr.org/series/tiny-desk-concerts/

Musik?
Von Punk bis zur feinziseliertesten Orchestrierung kann mir alles gefallen, Techno macht mich verzweifelt und stinkwütend, aber das ist ja auch schon lange her.

Serie?
Black Books

Spiel?
Wenn ich nicht zu verkrampft bin, gehe ich spielerisch an die Realität heran, aber ich mag keine Gesellschaftsspiele. Das Leben ist schon verwirrend genug, warum noch in einem Paralleluniversum ausgedachte Probleme bewältigen? 

Entertainer?
Einer meiner Großväter hat mich als Kind beeindruckt.

Podcast?
WTF with Marc Maron.

Kleidungsstück?
Interessant. Ich habe den Fragenkatalog zur Hälfte mit zu verantworten und jetzt fällt mir nichts ein. Schnell was Absurdes. Kettenhemd? Vatermörder? Ich weiß nicht mal, wie der aussieht. Nein, das schreibe ich besser nicht.

Wort?
Quatsch! Das platscht so angemessen.

Beste Ausstellung in letzter Zeit?
Brueghel in Wien. Aber das kann ich eigentlich nicht beurteilen, es war so unerträglich voll, das Herumstehen war genauso wie auf einem Rockkonzert, diese ganzen Parfums und Körpergerüche und die ungewollten Berührungen und unfreiwillig angehörten Gespräche. Da habe ich mich vor mein kleines ausgeleiertes Brueghelbuch mit den größtenteils schwarzweißen Abbildungen ins Atelier gesehnt. 

Sehnsuchtslandschaft?
Mein kleines ausgeleiertes Brueghelbuch mit den größtenteils schwarzweißen…nein, das ist nur Quatsch: Küste. Die beruhigende weitreichende Horizontale. Ganz viele Blaugraugrün- und Sandtöne. 

Was kann die Zeichnung nicht?
Farbklang.

Was kann sie?
Ohne Streicher, Parfum, Glitzer, Kinderchor, Gebrüll, Strom, Petersilie, Erzähler aus dem Off, Salz, Lippenstift, Fett, Laptop, Neon, Zucker, WLAN, Schminke, Spezialeffekte, Filter oder Lametta was zeigen. Kann jeder überall machen. Paul Holz: „Es kostet fast nichts.“